Heute war die Gedenkfeier von Julian im Hospiz. Für alle dort Verstorbenen der Monate Januar, Februar und März. Morgen vor 2 Monaten war Julians Tag. Ich stand heute mit klopfendem Herzen vor dem Hospiz. Vielleicht ist er doch noch da? In seinem Zimmer? Nein. Denn ich habe seinen letzten Atemzug doch gesehen. Seinen Körper bewacht. Ihn in den Sarg gebettet. Und mit dem schwarzen langen Auto davonfahren sehen. Als ich die vertrauten Pflegerinnen sah, fingen die stillen Tränen an zu laufen. Und sie hörten nicht auf bis Julians Name verlesen war und der letzte Ton der Querflöte verklang. Ich hatte die ganze Zeit die Augen geschlossen. Weil ich mit dem Herzen sehen wollte. Und ich spürte dass der Raum voll war, von allen Menschen die gegangen sind und verlesen wurden. Alle standen dort bei Ihren Angehörigen. Ich habe 2 Kerzen angezündet – eine für Julian und eine für Luke. Die für meinen Vater, der ging als ich sechs war, habe ich im Herzen entfacht. Mögen alle Menschen die Fragilität des Lebens erkennen und beginnen es zu feiern. Und damit meine ich auch mich.
25. Mai 2013
17. Mai 2013
Beginning.
Nach Wochen des unfassbaren Schmerzes, eine Woche seltsamer Ekstase. Plötzlich war das Wort Abschied in meinem Kopf verschwunden. Ersetzt durch das Wort Beginn. Julian: Everything that has a beginning has an end. Katharina: Everything that has a beginning has an end has a beginning. Ich war skeptisch, aber gab mich dieser Schmerz-Pause hin.
Eine Woche oder fast 10 Tage schien alles voller kindlicher Freude auf die Entdeckung alles offenstehenden. Ein Durst alles zu erkennen, ALLES zu sehen. Dieser Durst trieb mich bis gestern durch die Tage. Ich verschlang 1000 Bücher, sog jedes Wort über alles auf: Tod, Liebe, Bewusstsein, Sex, Krebs, Gewalt … Alles! Ein vertrautes Gefühl – Julian und ich waren zu Beginn unserer Reise oft in diesem Taumel. Konnten nicht genug bekommen, von all dem was uns erwartete. Waren von Wundern umgeben. In einem Wechsel von Fastforward und Slow Motion rannten bzw. staunten wir durchs Leben.
Und gestern und heute dann die Ernüchterung wie nach einer durchtanzten Nacht. Er bleibt weg. Und kein Beginn auf der Welt kann daran etwas ändern. Ich höre Adele: „we almost had it all.“ und tanze und weine und spüre dass die zarte Pflanze meiner Selbst müde ist von dem Taumel der letzten Tage und jetzt erstmal wieder unter den Glassturz möchte, den Julian mir immer bereitgestellt hat und Stille nannte.
Das war unser zarter Beginning, Frühjahr 2008.
13. Mai 2013
Danke!
Es ist unglaublich wieviele Menschen uns tragen und wieviele dies so unglaublich konkret tun. Unsere ganze Familie ist gerührt und wirklich ganz berührt. In diesem Dankesbaum sagen wir zunächst den Spendern und Kartenschreibern DANKE! Darüber hinaus tragen die Menschen, die Mails und Nachrichten schreiben und in Gedanken mit uns sind. Bitte seht auch Euch als Blatt dieses Baumes, der ohne Blätter sehr karg wäre.
29. April 2013
Thousand winds.
Um die Trauer einzufangen, die unter den wunderbaren Klängen liegt und mit nichts weniger werden mag, habe ich 3 Wochen nach Julians Tod zusammen mit dem Filmproduktioner Phillip Arnoldt diese Aufnahmen gemacht. Um mich immer wieder an dieses Gefühl zu erinnern und um auch dem Tabuthema der Trauer Raumzugeben. Julian hat oft zu mir gesagt: “Du kannst den Tod und den Schmerz nicht aus dem Leben wegsperren. Das ist am Leben vorbei, mein Schatz.”
“Thousand Winds” ist ein Gedicht, das Julian in Irland auf einem Gabstein entdeckte und das uns nach dem Tod unseres Sohnes Luke Akash (*29.09.2010, +26.10.2010) Trost schenkte. Unsere Freunde “The Love Keys” vertonten dieses Lied. Es wurde eine Woche vor Julians Tod (+26.03.2013) fertiggestellt. Er konnte es noch hören und mochte diese wunderbare Umsetzung sehr.
28. März 2013
In Gedenken an Julian Paul Middendorf: 15.10.1978 – 26.03.2013
“Es darf alles ganz einfach sein.”
Das war ihm so wichtig. In der letzten Zeit ganz besonders. Er war glücklich, nichts mehr zu müssen, nichts mehr zu wollen. “Ich bin frei, mein Schatz!”, habe ich ihn sooft sagen hören. Sein Körper, der ihn so wunderbar begleitet hat, sein ganzen Leben, war sehr gezeichnet, doch Julians Blick und seine Wachheit und Fröhlichkeit blieben beziehungsweise wurden immer weicher. Durch seinen Weg zum christlichen Glauben fühlte er sich gehalten und konnte seinen Weg im Vertrauen gehen. Da er sich nie beklagte, fragte ich, ob es etwas gäbe, was ihm fehle: “Sonnengrüße!”.
Am 26.3. ist Julian gegangen. Wir waren mit ihm.
Die Beerdigung von Julian findet am 11.04. um 13.15 in der Kapelle auf dem Waldfriedhof Zehlendorf statt. Julian hat sich erst weiße Kleidung, dann ein paar Tage vor seinem Tod, schwarze Kleidung gewünscht. Jeder der Abschied nehmen möchte ist herzlich eingeladen, Julian Paul Middendorf auf seinem letzten Weg hier auf der Erde zu begleiten.
Das Bild hat Lea gemalt, als er ging. Ein Engel, der ihn ins Licht führt.
Julian wünscht sich keine Blumen, sondern, dass für seine Familie gesorgt ist. Er bitte um eine Spende:
Julian und Katharina Middendorf
ING DiBa
Kto: 5400580349
BLZ: 50010517
IBAN DE32 50010517 5400580349
BIC INGDDEFF
18. Januar 2013
Our Choice!
Vor einiger Zeit habe ich den Artikel „our choice?“ Oder „Wenn das Leben Scheiße schmeißt“ verfasst – und wurde von Ingrid in den Kommentaren darauf aufmerksam gemacht, dass ein weitere Möglichkeit, damit umzugehen darin besteht, zu teilen und mitzuteilen. Und weil das so sehr stimmt, und es überhaupt die Freunde sind, die unsere schwere Situation mittragen und es dadurch irgendwie ertragbar machen, hier nun die von Ingrid gewünschte Zeichnung. Und weil das Teilen nicht jedem ein Stück Mist auf die Schultern lädt, sondern sich durch das Teilen in Frieden verwandelt, sehen wir in dem Bild nicht Menschen mit Scheißhäufchen auf den Schultern, sondern einfach klare, zugewandte Gesichter, die wissen, sehen und handeln! Eine schöne Definition von „Dasein!“
31. Dezember 2012
Mein erstes Buch: 180 Grad! … als ebook bei amazon.de
Es geht um Liebe, Yoga, Indien und den Mut zur Veränderung. Viele von Euch wissen, was für eine 180 Grad Wendung ich 2008 begonnen habe. Alles hinter mir zu lassen, um mit einem fast Fremden nach Indien zu gehen – in ein Land, das ich nicht mal kannte. Wer Lust hat zu lesen, wie es mir damals ergangen ist, wie die Indienzeit war und was bei der Rückkehr passiert ist, der kann dies nun miterleben. In einer lustigen, lebensfrohen Geschichte – meinem ersten Buch, das nun seit über 2 Jahren in der Schublade liegt! Es ist die Geschichte von Julian und mir und erinnert mich gerade jetzt, in Julians schwerer Krankheit, die nicht nur sein Leben sondern auch unsere Liebe immer wieder bedroht, immer wieder daran, an welchen Mann ich mich verliebt habe.
Hier geht´s zum ebook „180 Grad“ von Katharina Middendorf…
Leseprobe:
»Your chemistry does not match.« Wie bitte? Der spinnt doch. Unser weißhaariger Yoga-Babba (Babba: Spiritueller Yoga-Vater), den wir hier in Leh ganz zufällig in einer Art Wohnungshöhle gefunden haben, stellt uns gehörig auf die Probe. Ich mache meine erste und Julian seine tausendste Yoga-Lehrer-Ausbildung. »You are like brother and sister. Your chemistry does not match. Believe me.« Julian und ich schweigen. Ich, weil der Babba mir schon zu Beginn deutlich gemacht hat, dass Frauen besser nicht reden und Julian, weil er sich das Ganze anscheinend sehr zu Herzen nimmt. Als wir, immer noch schweigend, den Raum verlassen, fummelt Julian immer wieder an meinen Ohren rum. »Zum Glück.« »Was zum Glück?« »Na, Paulo Coelho schreibt, dass beim Seelenverwandten die Ohrläppchen angewachsen sind. Und deine sind angewachsen.« »Ja, aber deine nicht. Bin ich jetzt also deine Seelenverwandte und du aber nicht meiner?« So einen Quatsch habe ich lange nicht gehört. Aber jetzt sind die Rollen anscheinend vertauscht. Ich bin mir sicher und Julian kommt ins Zweifeln.
Am nächsten Tag setzt der Babba noch eins obendrauf: »A real yogi is not married.« Aber Julian hat sich über Nacht, nachdem er Brida, von Paulo Coelho in den Müll geworfen hat, gefangen und fighted mit dem Babba, dass die Rishis, die weisen seherischen Yogis, allesamt Familie haben. Das scheint den Babba aber weniger ruhig zu stellen als anzustacheln. »You think you are a Rishi? You are a small boy. No Rishi. You will never become a real Yogi.« Und so bin ich die nächsten sechs Wochen Zeuge eines Machtkampfes zwischen Yogi und Yogi. Meistens schweige ich. Manchmal heule ich – innerlich zumindest. Und mitunter schreie ich – auch eher innerlich. Dieses yogische Schlammcatchen geht solange, bis unsere Beziehung jeden Anschlag hinter sich hat und wir uns sicher sind: Wir gehören zusammen. Vielleicht ist es ja auch genau das, was unsere härteste Lektion der Ausbildung sein soll – und der Babba eine ganz gerissener Verkuppler. Aber vielleicht ist der Babba auch einfach nur ein Arsch…
Hier geht´s zum ebook „180 Grad“ von Katharina Middendorf…
6. November 2012
Tischgebet light!
Gestern Abend von Lea, ungeduldig und hungrig auf den Nudelteller blickend:
Lieber Gott! – – – Amen!
Na, dann Guten Appetit!











