Was ich in der Adventszeit anders mache!

Das mit der Adventszeit ist schon ein wenig heimtückisch. Spätestens in dem Moment, an dem die Regale bzw. Aufsteller im Supermarkt gefüllt sind mit Weihnachtsleckereien, kündigt sie sich lauthals an. Sie verspricht schöne Momente und Gemütlichkeit. Nun nasche ich nicht sehr gerne und still sitzen fällt mir auch ziemlich schwer. Also was tun in einer Zeit, die auf Langsamkeit setzt? Zumal diese Adventszeit garantiert merkwürdig wird. Wer hat Lust sich unter die Leute zu mischen, geschweige denn, ob man es darf, wenn überall nur ein Thema vorrangig diskutiert wird? Und wie so oft, wird mir die Zeit wegrennen und ich froh sein, wenn am Abend der Abende irgendwie alles seinen Platz gefunden hat.

Unsere Familie hat ein wunderbares Ritual für den 24. Dezember entstehen lassen. Jeder von uns, und das sind oft bis zu 10 Menschen, bereitet etwas vor. Diese Tradition hat uns viele wunderbare Momente geschenkt. Vergangenes Jahr performte einer meiner Söhne auf einer kaputten, ungestimmten Gitarre Nirvana Songs, was für ein Highlight. So haben wir schon gemeinsam Badekugeln hergestellt, das Namensschild an der Wohnungstür neugestaltet, selbst erstellte um die Ecke gedachte Kreuzworträtsel gelöst und lauschten Gedichten über unsere Katzen. Der Jüngste hat es immer etwas schwer, konnte uns aber mit einem Quiz überraschen, in welchem es Fragen über ihn zu beantworten galt. Wir staunten nicht schlecht, denn wir wohnen zwar zusammen, kennen uns aber doch nicht so gut wie wir manchmal gerne glauben würden.

So werde ich dieses Jahr eine Erzählung von Alexander Osang vorlesen. Die Ausgabe vom 24. Dezember der Berliner Zeitung gehörte früher zu meiner Pflichtlektüre. Alexander Osang hat jährlich die „etwas andere Weihnachtsgeschichte“ dort veröffentlicht, welche vor ein paar Jahren als Sammlung verlegt wurden. Diese Geschichten handeln von Menschen, die um ihren Plan oder ihre Idee kämpfen, sich an ihren Möglichkeiten berauschen, oder am Heiligen Abend feststellen, dass sie eben diese aufgegeben haben. Alle Figuren sind selbst im Scheitern sympathisch, weil menschlich und wie auch ich oft gefangen in ihren Vorstellungen dieses Abends oder sogar ihres Lebens. Ich wähle für dieses Jahr eine Geschichte voller Missverständnisse wie oben beschrieben. Man glaubt sich zu kennen und kennt sich doch nicht. In dieser Geschichte gelingt es eine der Hauptfiguren genau das zu bemerken, springt über den eigenen Schatten und öffnet damit eine Tür zum Gegenüber.

Das ist für mich Weihnachten.

Annett Schpeniuk

Annett Schpeniuk ist ausgebildete Krankenschwester, Yogalehrerin für Erwachsene und Kinder und Mitinhaberin der nivata Yogaschule Zehlendorf. Während der Jahre im klinischen Bereich sammelte sie wertvolle Erfahrungen in der Schulmedizin. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit anatomischen Inhalten vor allem in Bezug auf gesunde Bewegungsmuster. Insbesondere die Erfahrung, als Krankheit persönlich wurde, ließen sie ergänzende Wege beschreiten, die den Umgang damit erleichterten. Ihr Interessensschwerpunkt liegt auf therapeutischem Yoga, der akute wie chronische Krankheiten aus neurologischer, physiologischer und orthopädischer Sicht berücksichtigt. Seit 2013 ist Annett Schpeniuk im nivata Team, betreut seit 2017 die new teacher der Ausbildungsjahrgänge und ist seit 2018 Assistenz der Ausbildungsleitung. Sie ist Mutter von 4 Kindern und lebt und arbeitet in Berlin.