Mein Motto für die Adventszeit

„Ein Lächeln ist oft das Wesentliche. Wir werden mit einem Lächeln belohnt oder belebt.“ (Antoine Saint-Expuéry)

Diese beiden Sätze sind in ihrer Einfachheit so klar und deutlich. Ein Lächeln ist das Leichteste, was wir jemandem schenken können. Eine kleine, fast unscheinbare Geste mit einer großen Wirkung, die unserem Gegenüber einen Glücksmoment bescheren kann.

Was für ein schöner Gedanke! Lese ich diese beiden Sätze von Saint-Expuéry, dann erinnert es mich daran, dass dieses von uns so oft komplex empfundene Leben im Grunde genommen ganz leicht und gut ist. Es zeigt mir, dass es nicht viel braucht, dass ich nicht viel brauche, um ein gutes Leben zu führen: Ich lebe von einem Miteinander. Ein Leben im Miteinander zu führen, ist gar nicht so schwer, auch wenn es einige Menschen als herausfordernd und anstrengend empfinden. Denn oft sind große Erwartungen und Ansprüche daran geknüpft: Die Gesellschaft, der Job und die dutzend sozialen Rollen, die wir tagtäglich erfüllen und spielen sollen, schüren Erwartungen in uns und in andere, die wir dann als den Status Quo hochhalten.
Wir hören in unserer Gesellschaft oft diesen Satz „Es ist ein Geben und Nehmen“ und daran sind auch wieder so viele Gedanken, Erwartungen und Ängste geknüpft: „Wenn ich gebe, dann kann ich auch nehmen.“ Oder „Wenn ich gebe, dann wird mir was genommen, was mir vielleicht wichtig ist.“ Oder auch „Ich muss viel geben und es muss gut genug sein, um den anderen zu entsprechen.“ Wir sind mit diesen Kosten-Nutzen-Gedanken konditioniert. Aber was wäre, wenn wir es als ein Wechselspiel vom Geben und Empfangen sehen? In dem alle miteinander geben und gleichzeitig viel empfangen? In dem es mich nichts kostet zu geben, weder mentale Kraft, physische Stärke oder materielle Dinge? Denn gleichzeitig empfange ich dabei so viel, was mich nährt und stärkt, wie ein Lächeln, Freude und Dankbarkeit. Wenn wir es als dieses Wechselspiel von Geben und Empfangen betrachten, dann werden wir schnell bemerken, dass es doch nicht viel ist, was wir wirklich brauchen und alles was wir für andere tun, doch in Wahrheit auch für uns geschieht. Es sind die kleinen und wesentlichen Dinge im Leben, die uns erfüllen. Seien wir doch mal ehrlich, ein großes Geschenk zu Weihnachten erfüllt uns nur für einen kurzen Moment mit Ektase und Adrenalin. Dieses Gefühl ist nicht von Dauer und verpufft schon am nächsten Tag. Wir erinnern uns nicht mal mehr daran und fragen uns dann, was hat mir XY noch letztes Jahr geschenkt? Doch ein gemeinsamer Moment, eine kleine Geste, ein Lachen und ein von Herzen kommendes Wort erfüllt uns oft viel länger und die Erinnerungen daran beleben uns auch noch Jahre danach.
Yoga – und damit meine ich nicht nur meine körperliche Praxis – hilft mir dabei, mir immer wieder dieses Wechselspiel vom Geben und Empfangen zu vergegenwärtigen. Jeden Moment, jede Handlung und jedes gesprochene Wort mit anderen Menschen als ein Empfangen zu wertschätzen. Und dabei zu erkennen, wesentliche Dinge im Leben sind ein Miteinander und Zusammensein. Das erfüllt mich.

Persönlich ist das für mich nicht an eine bestimmte Jahreszeit geknüpft, denn diese Momente im Leben wird es immer geben. Es gibt für mich auch keine bestimmte Yogahaltung, mit der Du das üben kannst.
Doch die Adventszeit ist eine besondere Zeit, die uns vielleicht dabei helfen kann, diese Momente zu erkennen und wertzuschätzen. Es ist eine Zeit, in der es zwar kalt und auch schnell dunkel wird. Doch gleichzeitig ist es eine Zeit, die von so viel Licht und Wärme erfüllt ist, was nur allein durch uns Menschen geschaffen wird. Der Lichterbogen verschönert nicht nur mein Fenster, sondern es erfüllt
auch jemand anderen auf der Straße mit Freude über das schöne Lichterspiel. Schon alleine diese Geste ist genau so ein Moment.

Vielleicht schreibst Du ein kleine Weihnachtskarte an Deine Freundin, die Du vielleicht lange nicht mehr gesehen hast. Oder auch an Deine Herzensmenschen, die Du vielleicht doch öfter siehst, als Wertschätzung Deiner Freundschaft. Es erfüllt nicht nur sie, sondern auch Dich. Für mich ist das schon Yoga! Denn Yoga besteht nicht nur aus Körperhaltungen und Atemübungen, sondern aus Selbstlosigkeit und Hingabe. Und das sind Qualitäten, die wir alle in uns tragen und jeden Tag im Alltag üben können – einfache und wertschätzende Gesten, liebevolle Worte und freundliche Gedanken.

Valerie Pagel

Valerie lebt Yoga und praktiziert es schon seit mehr als 10 Jahren. Ihre Hatha Yoga Ausbildung absolvierte sie 2019 in Devalapura und unterrichtet seitdem. Seit ein paar Wochen ist sie frisch gebackene Nivata-Yogalehrerin und absolviert nächstes Jahr ihre 500 Stunden Ausbildung bei Nivata. Yoga ist für sie pure Lebensfreude, ein Weg, Bewegung im Leben zu zelebrieren. Yoga bedeutet für sie auch Stille zu leben und das wahre Zuhause, in sich selbst zu verordnen.