Mein Motto für die Adventszeit

"Geben macht seliger denn Nehmen!" (angelehnt an das Neue Testament)

Ich erinnere mich daran, wie schwer ich als kleines Mädchen teilen konnte. Und damit war ich in bester Gesellschaft, denn Großzügigkeit war zwischen mir und meinen Spielkameraden oft ein Fremdwort.

Die Mutter eines Sandkastenfreundes musste sogar die Milch, bevor sie uns serviert wurde, auf den Milliliter genau abmessen, nur um sicherzustellen, dass wir exakt die gleiche Menge bekamen. Auch Gesellschaftsspiele endeten so ziemlich immer in lautem Geschrei, denn keiner gönnte dem anderen ingendetwas, schon gar nicht den Sieg.

Ironischerweise lächelte mich meine gesamte Kindheit über, eine an unserem Flurspiegel festgeklemmte Karte, mit der Aufschrift: "Geben ist seliger denn Nehmen!" an. Ich fragte mich ernsthaft, wer sich diesen Quatsch ausgedacht haben konnte.

Um es aufzuklären, es war kein geringerer, als Jesus persönlich ( Apostelgeschichte, 20,35). Ob gläubig oder nicht, ein paar Jahzehnte später erschließt sich mir der Sinn, Gott sei Dank!

Ich habe bis zu meinem letzten Hemd, das mittlerweile meine Tochter trägt, gerne und viel gegeben. Abgesehen davon, dass ich einiges hundertfach zurückbekommen habe, hat es mich einfach glücklich gemacht! Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass Menschen, die abgeben können, dauerhaft zufriedener sind.

Ich muss trotz Genervtseins ein wenig in mich hineinlächeln, wenn ich beobachte, wie nun meine Kinder alles für sich allein beanspruchen und erstreiten. So wie mir, wird ihnen das Leben schon beibringen, was für ein gutes Gefühl es ist, von Herzen zu schenken.

Übrigens hängt auch in unserem Flur ein Zettel. Ich habe mir erlaubt, ein Wort zu ändern:

"Geben macht seliger denn Nehmen!"

In diesem Sinne, können wir ja einfach, besonders in der Adventszeit, noch ein bisschen mehr geben, um noch ein bisschen glücklicher zu sein!

Nadin Isu

Nadin absolvierte ihre Abschlüsse als Diplom-Musicaldarstellerin und Diplom-Gesangspädagogin im Jahr 2004 an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Es folgten zahlreiche Engagements als Hauptdarstellerin an Landes- und Theaterbühnen. Solistisch arbeitete sie im In- sowie Ausland, gab Konzerte, wirkte bei CD- Produktionen, Film- und Musikvideodrehs mit. 2013 nahm sie ihre Tätigkeit als Dozentin für das Hauptfach Gesang an der Musicalschule Berlin auf. Des Weiteren erteilt sie persönlich sowie online, Einzel- und Gruppenstimmbildungsunterricht. Zuletzt konzentrierte sie sich auf das Schreiben und Produzieren ihrer eigenen Musik in den Projekten „Heaven´s Touch“ und „Alles auf Rot“ und fasste ihr Wissen in einem Buch mit dem Titel „Augen zu und Singen!“ zusammen.