Mein Motto für die Adventszeit

"Da nix für!" (Spruch aus dem Norden)

Ich komme aus Norddeutschland und bin mit diesem Spruch groß geworden. Sei es, dass die Männer geholfen haben, die beim Sturm herunter gesegelten Dachziegel aufzusammeln oder dass ich mir bei Tante Käthe ein Stück noch warmen Butterkuchen nehmen durfte, da nix für, gerne eingeleitet mit einem "Och". Die Selbstverständlichkeit des Gebens hat mich immer beeindruckt, es war klar, dass es sich irgendwann irgendwie irgendwo wieder ausgleichen wird, bedingungslos. Ich wünsche mir mehr gelassene Großzügigkeit in dieser Welt. Als Hebamme beobachte ich oft, wie sehr junge Familien stolpern in den ersten Wochen, ungebeten und unaufdringlich eine Suppe vor die Tür, den Einkauf mitbringen, einfach so, aber hilfreich und "da nix für", damit niemand sich zu einer Gegenleistung verpflichtet fühlt. Klar ist Weihnachten eine Zeit des Nehmens und Gebens, für mich persönlich immer die Zeit des Innehaltens, vielleicht auch die Gelegenheit, in diesem durch Corona erneut besonderen Jahr das Loslassen zu üben, erwartungslos zu geben.

Gerlinde Skupin

Gerlinde, schon etwas ältere Hausgeburtshebamme aus Berlin, verheiratet mit einem Tischler und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Ich unterstütze das nivata Team bei der Ausbildung zu Pre-und Postnatal-Yoga-Leherer*innen mit dem theoretischen Teil und meinem Hebammenwissen.